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Bitcoin Mining am Boden – warum fällt die Difficulty nicht stärker?

Autorenbild: Bonobomining
Bonobomining
8. Aug.
8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Aug.

Bonobomining Bitcoin Difficulty

Bitcoin Mining läuft gerade richtig beschissen.

Die Erträge pro TH sind niedrig, der Bitcoin-Kurs hat deutlich nachgegeben und selbst moderne Miner müssen inzwischen genauer rechnen.

Und irgendwann kam mir dabei eine ziemlich simple Frage:

Warum zur Hölle ist die Bitcoin Mining Difficulty dann immer noch so hoch?

Bitcoin soll das doch automatisch regeln.

Mining lohnt sich nicht → Miner schalten ihre Geräte ab → Hashrate sinkt → Difficulty fällt → die verbleibenden Miner bekommen wieder mehr BTC pro TH.

Zumindest dachte ich, dass es ungefähr so funktioniert.

Also habe ich mich mal richtig in die Difficulty eingegraben.

Und dabei ist mir ziemlich schnell klar geworden:

Die Difficulty macht genau das, was sie soll.

Sie interessiert sich nur überhaupt nicht dafür, ob Miner gerade Geld verdienen.



Was ist die Bitcoin Mining Difficulty überhaupt?

Fangen wir ganz einfach an.

Beim Bitcoin Mining versuchen weltweit unzählige ASIC-Miner, den nächsten gültigen Block zu finden.

Je mehr Rechenleistung im Netzwerk steckt, desto schneller würden diese Blöcke normalerweise gefunden werden.

Bitcoin möchte aber langfristig ungefähr:

1 Block alle 10 Minuten.

Also gibt es die Difficulty.

Steckt plötzlich viel mehr Hashrate im Netzwerk, macht Bitcoin das Mining schwieriger.

Verschwindet Hashrate, macht Bitcoin es wieder leichter.

Das Ergebnis:

Egal ob weltweit 100 EH/s oder 1.000 EH/s minen – Bitcoin versucht weiterhin, ungefähr alle zehn Minuten einen Block zu produzieren.



Wann wird die Difficulty angepasst?

Und hier kommt der erste wichtige Punkt.

Bitcoin verändert die Difficulty nicht permanent.

Die Anpassung erfolgt alle:

2.016 Blöcke

Bei zehn Minuten pro Block entspricht das ungefähr 14 Tagen.

Bitcoin schaut vereinfacht gesagt zurück:

Wie lange haben wir für diese 2.016 Blöcke gebraucht?

Waren die Miner schneller als vorgesehen?

Difficulty hoch.

Waren sie langsamer?

Difficulty runter.

Das Protokoll orientiert sich dabei an der Geschwindigkeit der Blockproduktion – nicht daran, wie profitabel Mining gerade ist.



Bitcoin weiß nicht, was Strom kostet

Das war für mich der entscheidende Punkt.

Die Difficulty kennt keinen:

  • Bitcoin-Kurs

  • Strompreis

  • ASIC-Preis

  • Wartungspreis

  • Hashprice

  • ROI

  • Gewinn oder Verlust

Bitcoin weiß nicht:

„Oh Scheiße, der Miner in Texas verdient gerade nichts mehr.“

Bitcoin sieht nur:

Wie schnell kommen die Blöcke?

Das bedeutet:

Mining kann wirtschaftlich komplett am Boden liegen und die Difficulty kann trotzdem hoch bleiben.

Solange genügend Rechenleistung online bleibt und die Blöcke ungefähr im vorgesehenen Tempo produziert werden, funktioniert das Netzwerk exakt so, wie es soll.



Aber warum schalten die Miner ihre Maschinen dann nicht einfach ab?

Und genau hier wird es interessant.

Denn „Bitcoin Mining lohnt sich nicht“ ist eigentlich eine viel zu pauschale Aussage.

Für Miner A kann Mining längst unrentabel sein.

Während Miner B mit derselben Bitcoin-Difficulty weiterhin Geld verdient.

Warum?

Strom.

Ein Unternehmen mit extrem günstigem Strom hat völlig andere Kosten als jemand, der zu normalen europäischen Strompreisen minen möchte.

Hardware.

Ein moderner ASIC mit beispielsweise 15 J/TH spielt wirtschaftlich in einer völlig anderen Liga als eine alte Maschine mit 30 oder 40 J/TH.

Infrastruktur.

Große Mining-Unternehmen kaufen Strom anders ein, besitzen langfristige Verträge und können ihre Anlagen teilweise flexibel herunterfahren, wenn Strompreise besonders hoch sind.

Und genau deshalb passiert nicht plötzlich:

Mining-Erträge schlecht → alle Miner AUS.

Stattdessen beginnt eine Bereinigung.



Die schlechtesten Miner sterben zuerst

Das ist eigentlich das Brutale – und gleichzeitig Geniale – an Bitcoin Mining.

Wenn die Einnahmen sinken, trifft es zuerst die Miner mit den höchsten Produktionskosten.

Alte ASICs.

Teurer Strom.

Schlechte Effizienz.

Hohe Betriebskosten.

Diese Maschinen werden zuerst abgeschaltet.

Dadurch fällt etwas Hashrate aus dem Netzwerk.

Die Difficulty reagiert anschließend darauf.

Und die verbleibenden Miner bekommen dadurch wieder einen etwas größeren Anteil am Kuchen.

Bitcoin rettet also nicht jeden Miner.

Der Markt sortiert die teuersten Miner aus.



Und genau das passiert 2026 tatsächlich

Jetzt wird es spannend.

Denn meine ursprüngliche Frage war ja:

Warum fällt die Difficulty nicht?

Die Antwort lautet inzwischen:

Sie fällt. Und zwar ziemlich deutlich.

Im Juni 2026 gab es eine Difficulty-Anpassung von -10,09 %.

Das war laut Hashrate Index der achtgrößte Difficulty-Rückgang der modernen ASIC-Ära seit 2016 und bereits der zweitgrößte Rückgang des Jahres 2026.

Und Ende Juli kam noch eine außergewöhnliche Meldung:

Die Bitcoin Difficulty lag im Jahresvergleich niedriger als ein Jahr zuvor.

Das ist in der gesamten Bitcoin-Geschichte zuvor nur einmal passiert.

Damals hatte China Bitcoin Mining verboten und ein riesiger Teil der weltweiten Hashrate verschwand innerhalb kurzer Zeit aus dem Netzwerk.

2026 passiert etwas Ähnliches – aber aus einem völlig anderen Grund.



Diesmal gibt es keinen großen Mining-Bann

2021 war die Sache relativ einfach.

China verbietet Mining.

ASICs gehen offline.

Hashrate bricht ein.

Difficulty fällt.

2026 gibt es nicht dieses eine Ereignis.

Stattdessen passiert etwas viel Interessanteres:

Mining wird wirtschaftlich immer härter.

Hashrate Index nennt mehrere Gründe.

Der Bitcoin-Kurs ist gefallen.

Der Hashprice wurde massiv zusammengedrückt.

Einige Miner arbeiten nur noch ungefähr am Break-even oder sogar darunter.

Gleichzeitig konkurriert Bitcoin Mining zunehmend mit AI- und HPC-Rechenzentren um Strom, Infrastruktur und Kapital.

Die Folge:

Grenzwertig profitable Miner schalten tatsächlich ab.



Ist Bitcoin Mining gerade wirklich so schlecht wie noch nie?

Wenn wir uns den Hashprice anschauen, kann man zumindest sagen:

Wir befinden uns in einer der brutalsten Phasen überhaupt.

Hashprice bedeutet vereinfacht:

Wie viel Umsatz produziert eine bestimmte Menge Hashrate?

Und 2026 wurden neue Tiefstände erreicht.

Am 6. Juni 2026 fiel der USD-Hashprice laut Hashrate Index auf nur noch:

27,74 $ pro PH/s und Tag

Das war zu diesem Zeitpunkt ein neues Allzeittief.

Auch der durchschnittliche Hashprice für den gesamten Juni fiel mit 30,37 $ pro PH/s und Tag auf ein Rekordtief.

Im Februar war bereits ein damaliges Tagestief von 27,89 $ erreicht worden.

Wenn jemand also sagt:

„Bitcoin Mining war wirtschaftlich noch nie so hart.“

...ist das zumindest beim USD-Hashprice ziemlich gut begründbar.



Warum ist das nach dem Halving besonders brutal?

Seit dem Bitcoin Halving 2024 beträgt die Block Subsidy nur noch:

3,125 BTC pro Block.

Vorher waren es:

6,25 BTC.

Damit wurde die Menge neuer Bitcoin, die Miner untereinander aufteilen, auf einen Schlag halbiert.

Normalerweise hoffen Miner nach einem Halving darauf, dass ein steigender Bitcoin-Preis diesen Effekt zumindest teilweise ausgleicht.

Aber gleichzeitig ist die Difficulty in den Jahren danach massiv gestiegen und die Transaktionsgebühren waren häufig niedrig.

Hashrate Index beschreibt genau diese Kombination als Grund dafür, warum der Hashprice nach dem Halving 2024 strukturell unter Druck geraten ist.



Warum fällt die Difficulty dann nicht einfach um 50 %?

Weil das Netzwerk nicht fragt:

„Wie viel weniger verdienen die Miner?“

Sondern:

„Wie viel Hashrate ist tatsächlich verschwunden?“

Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Wenn der Hashprice um 30 % fällt, aber nur 5 % der Hashrate abgeschaltet werden, muss die Difficulty nicht um 30 % sinken.

Solange moderne und günstige Miner weiterlaufen, bleibt ein großer Teil der Netzwerkleistung bestehen.

Und neue Hardware macht die Sache noch interessanter.



Neue ASICs machen alte ASICs kaputt

Stell dir zwei Maschinen vor.

Die eine braucht:

35 J/TH

Die andere:

15 J/TH

Beide produzieren Hashrate.

Aber die zweite benötigt dafür nicht einmal halb so viel Energie.

Wenn also 100 alte Maschinen abgeschaltet werden und dafür neue, effizientere ASICs online gehen, kann Folgendes passieren:

Die Mining-Industrie leidet wirtschaftlich – aber die Netzwerk-Hashrate fällt trotzdem kaum.

Und deshalb kann die Difficulty verdammt hartnäckig bleiben.

Hashrate Index nennt genau die immer leistungsfähigeren und effizienteren Mining-Rigs als einen der Gründe dafür, warum die Bitcoin-Difficulty historisch über längere Zeiträume fast immer gestiegen ist.



Ein Beispiel

Nehmen wir an, weltweit existieren:

1.000 EH/s Hashrate.

Die Mining-Einnahmen brechen ein.

Daraufhin werden alte ASICs abgeschaltet und 150 EH/s verschwinden.

Eigentlich müsste das Netzwerk jetzt deutlich leichter werden.

Gleichzeitig werden aber neue, effizientere Mining-Farmen aufgebaut und bringen 100 EH/s zurück.

Am Ende stehen wir bei:

950 EH/s.

Die Mining-Wirtschaft kann in diesem Beispiel ordentlich gelitten haben.

Aber die tatsächliche Netzwerk-Hashrate ist lediglich um 5 % gefallen.

Bitcoin sieht nur diese 5 %.

Nicht das Drama dahinter.



Die Difficulty ist deshalb kein Profitabilitätsregler

Das ist wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis aus dem ganzen Artikel.

Ich hatte die Difficulty vorher im Kopf ungefähr als:

Mining wird unrentabel → Difficulty fällt → Mining wird wieder profitabel.

Das stimmt nur indirekt.

Richtiger wäre:

Mining wird unrentabel → einige Miner schalten ab → Hashrate fällt → Blöcke werden langsamer → Difficulty fällt.

Und dafür müssen Miner wirklich abschalten.

Nur weil sie weniger verdienen, passiert bei der Difficulty erstmal gar nichts.



Kann die Difficulty auch wieder brutal steigen?

Oh ja.

Ein schönes Beispiel gab es erst im Februar 2026.

Nachdem zuvor Hashrate unter anderem wetterbedingt abgeschaltet worden war, kamen Maschinen wieder zurück ins Netzwerk.

Die Folge:

Am 19. Februar stieg die Difficulty um satte:

+14,73 %

Das zeigt ziemlich gut, wie dynamisch das Ganze ist.

Miner aus → Difficulty runter.

Miner wieder an → Difficulty wieder hoch.

Bitcoin interessiert sich nicht dafür, warum.



Was bedeutet eine fallende Difficulty für meine GoMining-TH?

Jetzt kommen wir zu dem Teil, der mich natürlich besonders interessiert.

Wenn ich eine feste Menge Hashrate besitze, beispielsweise:

100 TH

...dann konkurrieren diese 100 TH mit dem gesamten Bitcoin-Netzwerk.

Sinkt die Netzwerk-Difficulty, verbessert sich – bei ansonsten gleichen Bedingungen – meine erwartete BTC-Produktion pro TH.

Einfach gesagt:

Weniger Konkurrenz = mehr BTC für dieselben TH.

Und genau deshalb ist eine fallende Difficulty für bestehende Miner grundsätzlich erstmal positiv.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der Gewinn in Euro steigt.

Wenn Bitcoin gleichzeitig 20 % fällt und die Difficulty nur 5 % sinkt, kann mein Ertrag in Euro trotzdem schlechter werden.



Für GoMining wird Effizienz dadurch noch interessanter

Bei GoMining kommt neben der Hashrate noch ein weiterer Punkt dazu:

W/TH beziehungsweise J/TH.

Denn was bringt mir eine Verbesserung der Mining-Erträge, wenn ein ineffizienter Miner einen großen Teil davon wieder über die Maintenance auffrisst?

Genau deshalb halte ich persönlich effiziente TH langfristig für interessanter als einfach nur möglichst viele TH.

Wenn Mining richtig hart wird, zeigt sich der Unterschied zwischen:

billiger Hashrate

und

billig zu betreibender Hashrate.

Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.



Könnte die aktuelle Krise sogar gesund für Bitcoin Mining sein?

Klingt erstmal bescheuert.

Aber teilweise: Ja.

Wenn Mining jahrelang extrem profitabel wäre, würde immer mehr Hashrate ins Netzwerk strömen.

Die Difficulty würde weiter steigen.

Irgendwann wären wir wieder beim gleichen Problem.

Eine Phase mit schlechtem Hashprice zwingt die Branche dagegen dazu, ineffiziente Hardware abzuschalten und Kosten zu senken.

Und genau diese Bereinigung sehen wir 2026 offenbar tatsächlich.

Ende Juli schrieb Hashrate Index, dass die Difficulty im Jahresvergleich erst zum zweiten Mal in der Bitcoin-Geschichte negativ war. Als Gründe werden unter anderem der extrem niedrige Hashprice, abgeschaltete Grenzproduzenten und die Verlagerung von Kapital und Energie in AI/HPC genannt.

Das ist keine kleine normale Schwankung mehr.

Das ist eine echte Veränderung im Mining-Markt.



Und was passiert jetzt?

Das weiß natürlich niemand.

Aber theoretisch gibt es einige Möglichkeiten.

Steigt Bitcoin deutlich, verbessert sich der USD-Hashprice und abgeschaltete Miner könnten wieder online kommen.

Dann steigt die Hashrate.

Und irgendwann wieder die Difficulty.

Bleibt Bitcoin schwach und der Hashprice ebenfalls am Boden, könnten weitere ineffiziente Miner abschalten.

Dann könnte die Difficulty weiter nachgeben.

Und wenn gleichzeitig neue extrem effiziente ASICs alte Maschinen ersetzen?

Dann kann die Hashrate sogar wieder steigen, obwohl die Mining-Branche weiterhin unter Druck steht.

Genau deshalb lässt sich Difficulty nicht einfach aus dem Bitcoin-Kurs vorhersagen.



Mein Fazit

Meine ursprüngliche Frage war:

Wenn Bitcoin Mining gerade so schlecht läuft – warum fällt die Difficulty nicht?

Nach meiner Recherche würde ich heute sagen:

Die Frage war falsch gestellt.

Die Difficulty fällt bereits.

Teilweise sogar ungewöhnlich stark.

Im Juni 2026 gab es einen Rückgang von über 10 %, und Ende Juli lag die Difficulty im Jahresvergleich niedriger – etwas, das in Bitcoins Geschichte zuvor nur rund um den chinesischen Mining-Bann 2021 passiert war.

Der entscheidende Punkt ist aber:

Die Difficulty reagiert nicht auf schlechte Gewinne.

Sie reagiert auf Hashrate.

Erst wenn schlechte Gewinne dazu führen, dass Miner ihre Maschinen tatsächlich abschalten, bekommt Bitcoin überhaupt etwas davon mit.

Und genau das scheint gerade zu passieren.

Der Hashprice hat 2026 neue Allzeittiefs erreicht.

Ineffiziente Miner geraten unter Druck.

Hashrate verschwindet.

Difficulty kommt herunter.

Bitcoin macht also genau das, was es machen soll.

Nur eben nicht, um Miner glücklich zu machen.

Sondern um weiterhin ungefähr alle zehn Minuten einen Block zu produzieren.







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